|
Die Korrektur der Verletzung des vorderen Kreuzbandes ist heute ein Standard der Kniechirurgie. Meist wird diese Technik arthroskopisch gestützt angewendet, das heißt, dass das Gelenk nicht vollständig eröffnet wird. Die Lagekontrolle des Ersatzbandes erfolgt über eine in das Kniegelenk eingebrachte Videokamera. Aber spezielle Verfahren, bei denen eine Arthrotomie durchgeführt wird, sind in einigen Fällen noch gebräuchlich.
Zuerst muss entschieden werden, ob überhaupt ein Kreuzbandersatz notwendig ist. Unter Umständen wird die Funktion des Kreuzbandes so gut von den um das Kniegelenk liegenden Sehnen übernommen, dass das Risiko der Operation eingegangen werden müsste, ohne eine wesentliche Funktionsverbesserung zu erreichen.
Immer ist eine ausgiebige Übung und Kräftigungstherapie vor der Implantation eines Kreuzbandes zu empfehlen, um die Muskulatur zu stabilisieren. Der Bewegungsumfang des Kniegelenkes sollte nicht behindert, sondern normal sein. Eventuell ist ein Elektrostimulationsgerät für das Training der Muskulatur zu empfehlen.
Entwickelt wurde die Kreuzbandchirurgie schon vor längerer Zeit. Zuerst wurden Kunststoffbänder (vor allem Trevira) eingebracht, die durch die feste Verankerung im Knochen einen sofortigen Belastungsaufbau erlauben. Diese Kunststoffbänder zermürben jedoch bei härteren Belastungen oft schon nach einigen Jahren (zehn Jahre sind sie meist haltbar), sodass hier ein erneuter Ersatz notwendig wird. Allerdings ist die Entfernung des Bandes meist unproblematisch. Auch heute noch werden Trevirabänder implantiert, wenn eine schnelle Belastung notwendig ist und keine übermäßigen Kräfte auf das Kniegelenk einwirken.
Später wurden Verfahren entwickelt, die körpereigene Materialien als Ersatz des Kreuzbandes verwenden. Heute sind die Verwendung eines Teils der Patellasehne und die Verwendung der Semitendinosussehne (liegt an der Innenseite des Oberschenkels) gebräuchlich. Bei der Verwendung eines Teils der Patellasehne (ein Drittel der normalen Sehne) wird die Sehne geschwächt und das entnommene Stück ist relativ kurz, sodass auf jeden Fall eine Verankerung mit Schrauben im Knochen erfolgen muss. Allerdings wurden dazu Schrauben entwickelt, die sich langsam im Körper abbauen und nicht mehr entfernt werden müssen. Sie Semitendinosussehne ist länger und kann mit verschiedenen Befestigungssystemen verwendet werden. Die Innendrehung des Kniegelenks wird nach Entnahme der Semitendinosussehnen um 10% eingeschränkt und die Präparation der Sehne dauert vergleichsweise lange, was die Operationszeit verlängert. Bei allen körpereigenen Ersatzmaterialien ist Verringerung der Belastung bis zum Einwachsen des Transplantates erforderlich. Das ergibt eine Phase der Teilbelastung (sechs Wochen) mit Einschränkung der Bewegung auf 90 Grad im Kniegelenk. Die Bewegungseinschränkung wird durch eine Schiene (Orthese) sichergestellt, bei der sich Beugung und Streckung einstellen lassen.
Das hintere Kreuzband galt längere Zeit als nicht wichtig und wurde auch aus der schwierigen arthroskopischen Darstellung heraus nicht besonders beachtet. Es hat sich jedoch gezeigt, dass das hintere Kreuzband durch die Limitierung des Gleitvorganges im Knie bei der Beugung und die Anspannung im Kniegelenk bei der vollständigen Streckung eine wichtige Funktion hat, die beim Fehlen dieser Funktion zur schnelleren Arthrose führt. Aus diesem Grund wird vor allem bei jüngeren Patienten ein Ersatz des hinteren Kreuzbandes durchgeführt. Bei diesem Eingriff wird ebenfalls Semitendinosussehne verwendet.
|