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Für jüngere Patienten werden vor allem nicht zementierte Prothesen vorgesehen. Diese Endoprothesen verlangen eine höhere Stabilität des Knochens und eine längere Phase, in der die Extremität nicht belastet wird. Die nicht zementierte Prothese wird in ein sehr genau gefrästes Prothesenlager eingepasst. Die besondere Oberfläche dieser Prothese ist rauh und besteht aus einer speziellen Legierung, sodass der Knochen in die Vertiefungen der Metalloberfläche einwachsen kann und eine sehr feste Verbindung mit der Speziallegierung auf der Oberfläche der Prothese eingeht. Zusätzlich begünstigt die Form der Prothese den festen Sitz im Knochen. Bei einem nötigen Wechsel der Prothese wird bei der Herausnahme einer nicht zementierten Prothese wenig umgebende knöcherne Struktur zerstört, da nur der nach der Implantation neu an die Prothese gewachsene Knochen entfernt wird. Das erklärt die Verwendung dieser Implantationsform vorrangig bei jüngeren Menschen, bei denen im Laufe des Lebens noch ein oder mehrere Prothesenwechsel möglich sind. Prothesen halten nach den jetzigen Erkenntnissen 10 bis 15 Jahre. Für die Implantation einer zementfreien Prothese ist eine intakte Knochenstruktur nötig, da die Prothese die ersten Wochen noch nicht verankert ist. Außerdem ist eine Entlastung der Prothese über längere Zeit notwendig. Die Vollbelastung ist hier erst nach 8 Wochen erlaubt. Diese Zeit muss mit Gehstützen gegangen werden, was eine einigermaßen intakte Muskulatur und Kraft im Oberkörper voraussetzt.
Ältere Patienten mit weicherem Knochen und schneller wiederkehrender Belastung werden mit einer zementierten Hüftendoprothese versorgt. Dabei ist der Knochenzement ein Zwei-Komponenten-Kleber aus Kunststoff, der eine hohe Fließfähigkeit und später eine hohe Festigkeit hat. Der noch breiige Kunststoff füllt die Räume zwischen den Knochenbälkchen aus und verbindet dadurch Knochen und die Prothese, wenn der Kleber nach einigen Minuten ausgehärtet ist. Die zementierte (geklebte) Endoprothese besteht aus einer Kunststoffpfanne, die in das vorbereitete Lager im Becken eingeklebt wird. Ein direkter Kontakt zwischen Knochen und Pfanne wird durch die Schicht aus Knochenzement nicht hergestellt. Gleichfalls geklebt wird der Schaft, dieser befindet sich im Knochenzementmantel im Oberschenkelknochen. Auf den Schaft wird ein hochfester Keramik- oder Metallkopf aufgesteckt, dieser Kopf läuft in der Kunststoffpfanne. Durch die Zementierung wird eine sofortige Festigkeit der Komponenten erreicht. Prinzipiell ist eine Belastung nach Beendigung der Operation möglich. Die Schonung des operierten Beines ist jedoch zur Stabilisierung der bei der Operation durchtrennten oder gedehnten Weichteile (Muskeln, Sehnen, Faszien, Haut) nötig. Deshalb ist keine Vollbelastung direkt nach der Operation vorgesehen. Der Belastungsaufbau kann jedoch nach Maßgabe des Operateurs zügig im Verlauf von 6 Wochen erfolgen. Auch bei versehentlicher Belastung vor der Freigabe kann die Prothese nicht weiter einsinken oder gelöst werden. Aus diesem Grund eignet sich die zementierte Prothese für ältere und schwächere Patienten. Gleichfalls profitieren Patienten mit schwacher Knochenstruktur.
Bei Hybridprothesen ist ein Prothesenanteil (Pfanne oder Schaft) zementiert und der andere Anteil ist nicht zementiert. Diese Form wird gewählt, wenn der Knochen des einen Prothesenlagers keine nicht zementierte Implantation erlaubt, der Gesamtzustand des Patienten jedoch eher an eine nicht zementierte Prothese denken lässt. Die Weiterbehandlung erfolgt wie bei einer nicht zementierten Prothese, da der eine Anteil schließlich nicht zementiert ist. Der Vorteil besteht in dem kleineren Defekt nach einer Prothesenentfernung, falls die Prothese gewechselt werden muss und der nicht zementierte Anteil von der Lockerung betroffen ist.
Spezielle Prothesen wurden für junge Patienten mit intaktem Oberschenkelhals entwickelt. Diese Prothesen sind nicht in den Oberschenkelschaft eingelassen. Durch die neuen Prothesen (z.B. die McMinn-Prothese) kann noch mehr Knochen als bei der bekannten zementfreien Implantation gespart werden. Bei dieser Prothese wird der Hüftkopf sparsam modelliert und eine neue Oberfläche aus Metall auf diesen Kopf gesetzt. Die Pfanne wird in der üblichen Art und Weise eingebracht. Die bei dieser Prothese verwendete Metall-Metall-Gleitverbindung scheint auch die Verbindung zu sein, die den geringsten Abrieb verursacht. Diese Gleitverbindung scheint mit den wenigsten Prothesenlockerungen zusammenzuhängen. Die McMinn-Prothese wird seit 1991 verwendet und es wurde bisher eine sehr niedrige Komplikationsrate festgestellt. Auch die Cut-Prothese verfolgt das Ziel der knochensparenden Implantation. Diese Prothese wird in den vorbereiteten Schenkelhals eingesteckt, wobei dieser fast vollständig erhalten bleibt. Eine Verschraubung (wie bei der Druckscheibenprothese) ist nicht notwendig. Die Spiron-Prothese ist ebenfalls eine den Schenkelhals fast komplett erhaltende Prothese, die aber eingeschraubt wird und dann einwächst. Eine seitliche Verschraubung ist auch bei dieser Prothese nicht nötig. Die Cut-Prothese und die Spiron-Prothese sind neue Prothesen, bei denen noch keine Langzeiterfahrungen vorliegen.
Eine in mehr Kliniken verbreitete Sonderform der Endoprothese ist die Druckscheibenendoprothese. Hier wird die Verankerung des Metalls nicht wie bei der herkömmlichen Prothese im Schaft des Oberschenkels vorgenommen. Die Kraft verteilt sich mittels Druckscheibe auf den Oberschenkelhals, zur Sicherung der Prothese wird diese noch seitlich im oberen Anteil des Oberschenkelknochens verschraubt. Die Kraftüberleitung von Knochen auf die Prothese erfolgt danach fast wie beim gesunden Knochen über den Oberschenkelhals. Voraussetzung für die Implantation ist ein gesunder, kräftiger Oberschenkelhals mit normaler Knochenstruktur, deshalb wird diese Prothese nur bei jüngeren Patienten eingesetzt. Die Aushöhlung des Oberschenkelknochens ist bei dieser Prothesenform minimal und betrifft nur den Oberschenkelhals. Eine Entfernung ist ebenfalls leicht möglich. Da der Oberschenkelschaft kaum bearbeitet wird, kann jede andere Prothese bei einem Wechsel verwendet werden. Diese Prothese wird seit mehr als einem Jahrzehnt verwendet und kann auf ausgezeichnete Ergebnisse von über zehn Jahren verweisen.
Die verschiedenen Systeme der nicht zementierten und minimalinvasiven Hüftendoprothesen erlauben es, bei Lockerungen immer das passende System zu finden und so die Zeit bis zur Implantation einer zementierten Hüfte zu verlängern. Deshalb sind diese Prothesen vor allem für jüngere Patienten von Vorteil.
Nach der Implantation von Endoprothesen kann es in seltenen Fällen zur Luxation (Ausrenkung) der Hüfte kommen. Die sehr feste Gelenkkapsel um die Hüfte muss während einer Endoprothesenimplantation zum Entfernen des geschädigten Gelenks weit aufgeschnitten werden und auch die Implantation des künstlichen Gelenks erfolgt über die offene und teilweise entfernte Gelenkkapsel. Eine komplette Wiederherstellung der Gelenkkapsel ist nach der Implantation nicht möglich, sodass vor allem bei der Belastung der Hüfte nach vorn (Verdrehung des Beines nach außen) eine Ausrenkung des künstlichen Gelenks stattfinden kann. Ausrenkungen nach hinten sind dann möglich, wenn eine zu starke Beugung des Hüftgelenkes stattfindet (Sitzen auf zu tiefen Sesseln etc.). Die von den Ärzten für die erste Zeit nach der Prothesenimplantation angeordneten Bewegungseinschränkungen sollen die Ausrenkung vermeiden.
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