|
Die Hüftgelenksarthrose ist häufig. Es handelt sich um eine Gelenkabnutzung, bei der die Knorpelflächen in der Hüftpfanne und auf dem Hüftkopf immer dünner werden und später komplett aufgebraucht sind. Die Ursache des Knorpelverschleißes sind einerseits ungleichmäßige Knochenformen in Hüftkopf oder Hüftpfanne (Dysplasie), sodass der Knorpel durch unregelmäßige Lastverteilung besonders an der Stelle der größten Kraftübertragung zerrieben wird. Andererseits kann es durch Überlastung des Gelenks (ständiges Tragen hoher Gewichte, Übergewicht, ständige Bewegung ohne Ruhephasen über sehr lange Zeit, intensive Bewegungen über lange Zeit) zu einer Abnutzung der Knorpelschichten kommen, die dann wegen der zunehmenden Rauigkeit des Knorpels immer schneller fortschreitet. Der Beginn der Abnutzung lässt sich meist nicht festlegen, da im Frühstadium keine Beschwerden auftreten. Die Belastbarkeit des Knorpels ist ebenfalls unterschiedlich, sodass bei normalen Gelenken nicht vorauszusagen ist, wer später eine schwere Arthrose erleiden muss.
Die Hüftdysplasie, eine schwere Erkrankung, die durch die Ultraschalluntersuchung der Neugeborenen und folgende konsequente Spreizbehandlung (Spreizwindeln) sehr viel seltener geworden ist, wird bei später Entdeckung und Auftreten von Beschwerden mittels operativer Umstellung des Hüftkopfes behandelt. Dadurch wird die Last auf eine andere (gesunde) Knorpelfläche verschoben und die Beschwerden nehmen ab.
Die Behandlung der Arthrose erfolgt in den Frühstadien mit Krankengymnastik und physikalischen Maßnahmen. Meist wird die Gabe von Medikamenten notwendig, die die Entzündung bremsen und die bestehenden Schmerzen verringern (Antiphlogistika). Bei Entzündungsschüben werden Kortison und eventuell Immunsuppressiva gegeben.
Eine schwere Arthrose des Hüftgelenkes (Coxarthrose) wird durch den operativen Ersatz des gesamten Hüftgelenks (Endoprothesenimplantation) behandelt. Mehrere Verfahren stehen zur Wahl. Je nach Alter des Patienten und dem Zustand des Knochens werden die Endoprothesen fest verklebt (zementiert) oder ohne Klebung eingesetzt, sodass durch das Einwachsen des Knochens eine feste Verbindung entsteht. Die Vorteile und Nachteile sowie die Formen der zementierten bzw. nicht zementierten Endoprothesen sind später aufgeführt. Sonderformen von Prothesen werden ebenfalls später vorgestellt.
Bevor die Endoprothese eingesetzt werden kann, werden alle Knorpelanteile aus der Hüftpfanne entfernt, um einen festen Sitz des Knochenzementes oder der Endoprothese im Knochen zu erreichen. In einem weiteren Schritt wird das Lager für den im Oberschenkelknochen steckenden künstlichen Gelenkanteil ausgefräst. Je nach Form des Endoprothesenanteils wird ein genau passendes Lager hergestellt. In einigen Kliniken wurde das Lager für die Endoprothese mittel Roboter gefräst. Die Genauigkeit des Endoprothesenlagers ist dadurch sehr hoch. Ob und wie der künstliche Gelenkanteil im Knochen einwächst, kann aber nicht vorgegeben werden. Dass die Implantation durch einen Roboter Vorteile hat, konnte in den Studien nicht nachgewiesen werden. Erfahrene Operateure implantieren ohne Roboter mit den gleichen Ergebnissen und die Größe des Schnittes und der Muskelablösung ist ohne Roboter kleiner. Es gibt also keine Argumente, die für die Verbreitung der Implantationsroboter sprechen. Im Gegenteil: Die Ablösung der Muskulatur und Weichteile vom Knochen waren so umfangreich, dass häufig Nervenschäden beobachtet wurden. Implantationen von Prothesen mittels Roboter werden deshalb kaum noch vorgenommen.
Die Behandlung nach der Operation hängt von der eingesetzten Endoprothese ab (zementiert oder nicht zementiert). Die Haltbarkeit der eingesetzten Prothesen wird aktuell mit 15 bis 20 Jahren angegeben. Bei einer Lockerung oder Infektion der Prothese muss eine meist aufwendige Wechseloperation durchgeführt werden. Diese Operationen sind aufwendig und nur nach ausgiebiger Diagnostik und Vorbereitung der Patienten durchführbar.
|